Weltbienentag 2026: Was Bienen wirklich brauchen
Der 20. Mai ist Weltbienentag. Ein Tag, an dem viel über die Bedeutung der Biene gesagt wird – und wenig darüber, was ihr tatsächlich schadet. Der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund arbeitet das ganze Jahr an den Problemen, die Bienen, Bestäuber und Imkereiwirtschaft in Deutschland unter Druck setzen.
Neonicotinoide gehören zu den bienengiftigsten Insektiziden überhaupt. In der EU sind sie weitgehend verboten – werden aber immer wieder über Notfallzulassungen auf die Äcker gebracht. Was als Ausnahme gilt, ist längst Routine. Jede dieser Zulassungen gefährdet Bienenvölker, Wildbienen, Bestäuber und die Biodiversität insgesamt. Der DBIB fordert: Wer Neonicotinoide einsetzen will, muss den regulären Zulassungsweg gehen – mit vollständiger Risikoprüfung, ohne Hintertür.
Eine solche Hintertür ist derzeit die Bekämpfung der Glasflügelzikade. Der Schädling befällt Zuckerrüben und wird in Niedersachsen und anderen Anbaugebieten mit neonicotinoiden Wirkstoffen bekämpft – obwohl genau diese seit 2018 verboten sind. Für Wanderimker, die ihre Völker in diese Regionen führen, ist das ein konkretes betriebliches Risiko.
Auch die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) breitet sich in Deutschland weiter aus. Sie greift gezielt Bienenstöcke an, dezimiert Honigbienen, Hummeln und Wildbienen. Andere EU-Länder sind in der Bekämpfung weiter, Deutschland riskiert den Anschluss zu verlieren – weil fehlende Ausnahmeregelungen wirksame Gegenmaßnahmen bremsen. Hier muss die Gesetzgebung nachziehen und die Bekämpfung fördern.
Und die nächste Bedrohung wartet nicht: Tropilaelaps-Milben aus Asien parasitieren Honigbienen, vermehren sich schneller als Varroa und sind mit bisherigen Behandlungskonzepten schwerer zu kontrollieren. Zugelassene Bekämpfungsmittel gibt es in Deutschland bislang nicht. Ein Einschleppen über den internationalen Bienenhandel ist eine realistische Gefahr. Gehandelt werden muss, bevor die Milbe auf deutschen Ständen nachgewiesen ist – nicht danach.
Dazu kommt der wirtschaftliche Druck auf die Betriebe. Importierter Honig aus Drittländern wird zu Preisen verkauft, die weit unterhalb der deutschen Erzeugungskosten liegen – oft gepanscht, falsch deklariert, ohne nachvollziehbare Herkunft. Wer nach deutschen Tierschutz- und Lebensmittelstandards wirtschaftet, kann gegen solche Preise nicht bestehen. Der DBIB setzt sich für konsequente Herkunftskennzeichnung und wirksame Kontrollen gegen diese Form von Lebensmittelbetrug ein.
Und schließlich eine grundlegende politische Forderung: Honigbienen bestäuben Kulturpflanzen im Milliardenwert. Erwerbsimker stellen diese unbezahlte Ökosystemleistung bereit – systematisch, professionell, mit hunderten von Völkern. Agrarförderprogramme sind auf Flächenbewirtschaftung ausgerichtet, nicht auf Ökosystemleistungen. Das muss sich ändern. Bestäubung ist Landwirtschaft. Sie muss entsprechend anerkannt und honoriert werden.
Der Weltbienentag erinnert daran, wie viel von der Honigbiene abhängt. Der DBIB arbeitet daran, dass die Menschen, die diesen Beruf ausüben, auch in Zukunft eine wirtschaftliche Grundlage haben.

Kontakt: DBIB, Michael Bartel, presse@berufsimker.de