Startseite

Aktuelle Beiträge

Landwirte fürchten zurecht um ihre Existenz. Ursache sind aber nicht die Umweltauflagen. November 26, 2019
Wo sehen wir als Berufsimker denn heute die Hauptursachen der Probleme in der Landwirtschaft?

Das Hauptproblem liegt darin, dass unsere Landwirte seit Jahrzehnten unter einem extremen ökonomischen Druck stehen. Unter der Überschrift „Wachse oder weiche“ findet der sogenannte „Strukturwandel“ statt. Man könnte diesen Prozess aber auch „intensiviere oder weiche“ nennen. Für die Bienen bedeutet dies ein reduziertes Trachtangebot, Mähverluste und beständig Pflanzenschutzmitteln ausgesetzt zu sein. Hummeln und Solitärbienen fehlen zudem die Nistmöglichkeiten und die verbleibenden Biotope sind nicht vernetzt. Mit dieser Analyse stehen wir nicht allein. Vom bayerischen Jagdverband kann man ähnliche Aussagen über die Situation beim Niederwild hören.

Quellen (v. l. n. r.) :
PLOS ONE More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas
Vortrag “ GRÖßER, SCHNELLER BREITER – WOHIN GEHT DER TREND BEI LANDMASCHINEN?“, Dr. Johann Habermeyer Kuratorium Bayerischer Maschinen- und Betriebshilfsringe e.V
Agrarbericht Bayern 2016
Landesjagdverband Niedersachsen – Artenvielfalt in der Kulturlandschaft 08.02.2011

Sehen die Berufsimker die Landwirte als eine Art Feindbild?

Nein, ganz im Gegenteil. Der Landwirt ist in diesem System ebenso eine bedrohte Spezies. Wenn man die Kurven über den Niedergang der Insektenbiomasse, der Vögel oder der Niederwildstrecken und der Zahl der
landwirtschaftlichen Betriebe z.B. in Bayern übereinander legt, sind diese nahezu deckungsgleich. Die bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft prognostizierte bereits 2017 eine weitere Halbierung der Betriebe bis 2030 auf etwa 50 000. Wir müssen gemeinsam Wege finden, unsere bäuerliche Landwirtschaft und die Biodiversität in der Kulturlandschaft zu erhalten. Wir wollen dabei keine einseitige Optimierung der Landwirtschaft für die Honigbiene. Vielmehr haben wir in beispielhaften Projekten immer andere Verbände ins Boot geholt und uns vor allem darum gekümmert, neue Wege zur Wirtschaftlichkeit der Betriebe zu finden. Nachhaltige Landnutzung lässt sich nur mit Betrieben umsetzen, die auch ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell haben. Die bisher agrarpolitisch gesetzten Rahmenbedingungen können kaum als wirtschaftlich nachhaltig bezeichnet werden, wenn alle 12 bis 15 Jahre die Hälfte der Betriebe aufgeben muss.

Hat die Politik bereits die Weichen für eine Verbesserung der Lage von Landwirten und Umwelt gestellt?

Leider nicht und im derzeitigen politischen Umfeld in Brüssel ist eher mit einer deutlichen Verschlechterung zu rechnen. Die Agrarindustrie hat die Politik fest im Griff. Das gilt sowohl für die Neuausrichtung der gemeinsamen Agrarpolitik ab 2020 als auch durch Freihandelsabkommen wie Mercosur.

Die Agrarpolitik wird nicht für die Landwirte gemacht, sondern wird maßgeblich beeinflusst von Konzernen, die an den Landwirten verdienen.

 

Unsere Bauern werden in diesem System noch weiter unter Druck geraten und damit noch weniger Spielraum für einen rücksichtsvollen Umgang mit den natürlichen Ressourcen haben.

Durch das Volksbegehren in Bayern und weitere, die diesem Beispiel folgen, ist die Politik gezwungen, zumindest den Anschein zu erwecken, man sei an einer bienenfreundlichen Landwirtschaft interessiert. Noch wichtiger als eine hohe Beteiligung an diesen Initiativen ist, dass es eine große Bereitschaft gibt, eine wirklich nachhaltige Landwirtschaft auch beim Einkauf zu unterstützen. Hier genügt es nicht, über die „Geiz ist geil“ Mentalität der Verbraucher zu schimpfen. Es muss auch transparente und glaubwürdige Angebote geben, für die sich der Verbraucher entscheiden kann.

Als Vorbild mussten wir bisher auf „politikfreie Lösungen“ Lösungen setzen, die ohne Systemwechsel umsetzbar sind. So haben wir eine Reihe von Projekten für eine bienenfreundliche Landwirtschaft gemeinsam mit Landwirten und anderen Partnern erarbeitet. Dabei bilden wir als Imker ein wichtiges Bindeglied zum Verbraucher.

Insbesondere ist unsere Zusammenarbeit mit konventionellen Milchbauern unter der Marke „Sternenfair“ ein gutes Beispiel, dass es tatsächlich möglich ist, Bienen und Bauern zu retten.

„Seit 10 Jahren arbeiten wir erfolgreich gemeinsam mit den Berufsimkern und anderen Verbänden zusammen, um unsere Produktionsweise sowohl bienenfreundlich als auch wirtschaftlich für unsere Betriebe zu gestalten. Im gleichen Zeitraum hat fast ein Drittel der Milchviehbetriebe in Bayern aufgeben müssen. Unsere langjährige Zusammenarbeit zeigt, dass es möglich ist, Bienen und Bauern zu retten, wenn man bereit ist, neue Wege zu gehen.“, sagte in einer gemeinsamen Presseerklärung mit dem DBIB und dem Bund Naturschutz Jakob Niedermaier, Geschäftsführer der sternenfair Milchvermarktungs GmbH.

Neu ist der Bienenstrom. In Zusammenarbeit mit den Elektrizitätswerken Nürtingen und Landwirten auf der Schwäbischen Alb ermöglichen wir es Stromkunden, durch Anbieterwechsel auf der Seite bienenstrom.de jeweils eine Fläche zum Blühen zu bringen, die in der Regel größer ist als der eigene Garten.

Unsere Erfahrungen haben wir auch bei der Organisation der Europäischen Bürgerinitiative einbringen können: https://berufsimker.de/2019/11/europaeische-buergerinitiative-bienen-und-bauern-retten/

 

 

 

Europäische Bürgerinitiative: BIENEN UND BAUERN RETTEN! November 25, 2019

Für mehr Informationen zu der Europäischen Bürgerinitiative gibt es hier:

http://bienenundbauernretten.de

Oder direkt hier unterschreiben:

Das Formular zum unterschreiben und verteilen auch hier als PDF-Formular

Wer haftet im Fall des glyphosatbelasteten Honigs? Interview mit Thomas Radetzki im Deutschlandfunk November 23, 2019

Interview mit Thomas Radetzki über den Glyphosat belasteten Honig, der als Sondermüll entsorgt werden muss, ohne dass der verantwortliche Landwirt bereit ist, die Haftung für seine Anwendung des umstrittenen Totalherbizids auf einer blühenden Fläche zu übernehmen.

wer_haftet_im_fall_des_glyphosatbelasteten_honigs_dlf_20191122_1151_252592b3.mp3

Mehr über diesen Fall und die Möglichkeit für den Rechtsbeistand des betroffenen Imkers zu Spenden:

www.aurelia-stiftung.de/de/aktuelles/glyphosat-im-honig-existenzbedrohung-fuer-brandenburger-imkerei.html