Aufruf an die Wanderimker*innen, die zur Edelkastanientracht in die Pfalz fahren

Erläuterungen zur vermeintlichen Nahrungskonkurrenz zwischen Wild- und Honigbienen in den Edelkastanienwäldern der Pfalz, zum Konflikte der Imker*innen mit den Naturschutzverbänden und ein Verhaltensaufruf für die Trachtzeit.

Die Edelkastanientracht ist ein beliebtes Ziel für Wanderimker aus ganz Deutschland. Trotz den nur mäßigen Ertragsaussichten  kommen Imkerinnen und Imker mit ihren Völkern aus ganz Südeutschland und teilweise sogar aus dem hohen Norden dafür in die Pfalz.

Ein Kastanien-Gürtel von wenigen Kilometern Breite zieht sich zwischen Wald und Wein an der östlichen Flanke des Pfälzer Waldes von Grünstadt bis Bad Bergzabern entlang. An manchen Orten in diesem Bereich werden während der Kastanienblüte mehrere hundert Bienenvölker auf wenigen Quadratkilometern gezählt. In der Vergangenheit gab es dort immer wieder Konflikte mit ansässigen Imkern und mit dem Tourismus in der Region.

Mittlerweile wird die hohe Bienendichte in den Monaten Juni bis Juli auch von Naturschutzverbänden wie dem NABU und dem BUND zunehmend kritisch bis ablehnend gesehen. Es wird eine Nahrungskonkurrenz der „zugereisten Bienen“ mit den Wildbienen und auch ein allgemeiner Eingriff in den Naturhaushalt durch die große Anzahl von „Bienen auf Besuch“ angenommen. Wissenschaftliche Belege für diese angenommene Konkurrenzsituation liegen allerdings (noch) nicht vor. Die Zeit der Edelkastanienblüte selbst wird aber auch gar nicht als so problematisch gesehen, denn lediglich eine invasive Wildbienen-Art ernährt sich tatsächlich von Kastanienpollen. Das Ärgernis entzündet sich eher, wenn die Wanderimker bereits ein bis zwei Wochen vor Blühbeginn der Kastanien aufwandern. Gleichermaßen besorgt es die Naturschützer, wenn noch zwei Wochen oder länger nach Trachtende zahlreiche Bienenvölker diese Standorte belagern.

Auch aus wirtschaftlicher Sicht müsste jeder Imkerin und jedem Imker eigentlich daran gelegen sein, wirklich nur das eng bemessene Zeitfenster der Edelkastanienblüte mit Nektarsekretion von zwei bis drei Wochen zu nutzen. Denn außerhalb dieser Periode hungern die Völker regelmäßig, und dann verlieren die Völker täglich 500 bis 1000 g an Gewicht. Das ist bares Geld, das damit auch verschwindet.

Mittlerweile haben einzelne Aktivisten bereits mit den Naturschutz-Behörden der Region Kontakt hinsichtlich einer Beschränkung der Wanderimkerei aufgenommen. Aber lediglich in Naturschutzgebieten (NSG) gibt es tatsächlich ein Verbot zum Einbringen von Tieren. Außerhalb der NSG ist ein Verbot von Bienenvölkern kaum durchzusetzen. Es kursieren jedoch auch Ideen, die Grundstückseigentümer von einem Versagen von Wanderplätzen zu überzeugen. Sollten die Forstämter durch entsprechende politische Einflußnahmen tatsächlich so weit gehen, ein Aufwandern zu untersagen, dann würde in der Tat ein Großteil der Wanderplätze wegfallen.

Daher ist es essentiell, daß die Imkerinnen und Imker einlenken und ab dieser Saison keinen oder kaum Anlaß zu Beschwerden bieten. Liebe Kolleginnen und Kollegen informieren Sie sich darum genau über den Blühbeginn und das Blühende der Edelkastanien in der Pfalz und nutzen Sie nur dieses enge Zeitfenster für die Wanderung. Versuchen Sie Völkermassierungen zu vermeiden. Verteilen Sie ihre Bienenvölker gut und vermeiden Sie bitte auch zu große Gruppen an einem Platz.

Von Jan-Dirk Bunsen, DBIB Landesgeschäftsführer Rheinland-Pfalz


 

One thought on “Aufruf an die Wanderimker*innen, die zur Edelkastanientracht in die Pfalz fahren

  1. die Edelkastanie würde bereits – ähnlich wie die Rosskastanie – im ganzen Bundesgebiet wachsen.

    die Vermehrung wäre simpel , mit dem weissen Fleck auf den Boden legen, feucht halten und zusehen..

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